Frühling, Sommer, Herbst und Winter

 

Der Frühling trällert durch die Welt:

„Ich mach sie bunt und reich an Vielfalt.

Sorg für neues Leben und achte darauf,

dass es niemanden an etwas fehle.“

 

Der Sommer lacht und fügt hinzu:

„Mach Du nur, mach sie bunt und reich.

Weil ich die Natur an ihre Grenzen bringe

und ihr noch viel mehr abgewinne.“

 

Der Herbst grinst nur breit, denn er weiß:

„Egal was ich berühr, welk und sterben wird.

Ich jag den Sturm, lass Blätter tanzen,

färb den Himmel dunkel, peitsch den Regen.“

 

Der Winter flüstert übers weite Land:

„Ich, ich lege leise meine eisigen Hände,

still und ruhig über einst blühendes Leben

und ich weiß, dass der Frühling auf mich wartet.“


Zart und klein, unsichtbar für jene,

die nur nach dem Materiellen streben.

Doch berührst Du das Herz der Natur,

sie aus ihren Verstecken kommen.

Tanzen ausgelassen um Dich herum,

werden sich nicht scheuen,

Dir ganz nah, sehr nah zu kommen.

Naturgeister halten sich stets zurück

und hast Du einmal ihr Herz berührt,

 

begleiten sie Dich durch Dein Leben.


 

 

Lass mich heut Dein Märchen sein,

ich entführ Dich in eine andere Welt,

werd Dir all das Zauberhafte zeigen

und stets an Deiner Seite stehn.

Halt nicht fest an trüben Gedanken,

lass sie los und sei endlich frei,

wirst sehn, ist gar nicht schwer,

auch mal schwerelos zu sein.


 

 

Nacht für Nacht zieht es uns magisch an,

können dem hellen Licht nicht widerstehen.

Auch wenn manch zarte Flügel verbrennen,

auch wenn wir wissen um der Leid und Qual, 

kommen wir der heißen Lichterquell

immer zu nah.


Zarte Blüte wiegst dich im sanften Winde,

beugst dein zierlich Haupt und stehst

doch immer wieder auf.

Zarte Blüte im starken Sturmeswinde,

kniest schnell vor der Gewalt und

stehst doch immer wieder auf.

Zarte Blüte ich beneide dich,

doch nur bis zu der einen Niedertracht,

wenn ein Menschenkind naht und

knickt dich einfach achtlos ab!

Zarte Blüte warst so zart und rein,

standhaft im starken Sturmeswinde,

doch dann kam ein Menschenkind daher…


Komm mit wir laufen durch den Zauberwald,

folgen dem Fluss durch die Zeit.

Komm nur wir laufen über die Zauberwiese,

folgen der Blüten Spur durch die Zeit.

Komm schnell wir laufen über den Zauberberg,

folgen den Steinen durch die Zeit.

Bleib stehen, denn wir sind jetzt da,

stehen im blühenden Tal der Zauberzeit

und setzen uns nieder auf die Bank aus Holz,

die da steht am See.

 

Fangen wir noch mal von vorne an?


Begegnung mit den Naturgeistern

 

Wenn ich euch schon von weitem spür,

wenn ich eure unnahbare Nähe fühl.

Wenn ich euch dann endlich erblick,

mein kleines Herz vor Freude bebt.

 

Möcht euch gar so gern berühren,

möcht euch gar so sehr umarmen.

Doch weiß ich, dass ihr auf Abstand steht

und doch ein Stück des Weges mit mir geht.

 

Lasst uns über Blumenwiesen tanzen,

ungeniert, außer Rand und Band,

lasst uns durch tiefe Wälder laufen,

im Geist vereint Hand in Hand.

 

Lasst uns all die Wunder entdecken,

die unser Zuhaus so gerne zeigt.

Lasst uns ein Feuer anzünden,

wenn die Nacht dann näher rückt.

 

Wenn wir müde geworden sind

und auf weichem Boden liegen,

schauen zum Mond und zu den Sternen, 

träumen wir von der Zeit, die uns vereint.


Schritt für Schritt gehen die Menschen durch ihr Leben,

riskieren und investieren in das große Glück.

Bemerken gar nicht, dass es sie bereits umgibt!

 

Versuchen immer nach dem Besseren zu streben,

greifen gierig nach dem großen Glück.

Bemerken gar nicht, dass es sie bereits umgibt!

 

Zerstörerisch wie die Menschen nun einmal sind,

verschlingen vieles auf der Suche nach dem großen Glück.

Bemerken gar nicht, dass es sie bereits umgibt!

 

Hört gut zu ihr kleinen Menschen und nehmt es endlich wahr,

dass große Glück liegt euch längst zu Füßen,

doch ihr seid blind und bemerkt es nicht einmal.

 

Statt stets gierig und rücksichtslos zu leben,

aus Neid und Eifersucht Kriege anzuzetteln,

die Natur einfach anzunehmen und zu respektieren,

dann würdet ihr es endlich sehen, euer großes Glück.

 

Denkt doch nur ein einziges Mal darüber nach,

ihr habt doch alles was ihr braucht.

Ihr bezeichnet euch immer als zivilisiert,

doch bemerken wir dies kaum…

 

 

Die Naturgeister


 

In dunkler Nacht hüllen wir

die Natur in zartes Weiß,

unscheinbar und still lassen wir uns fallen,

fallen auf all der Bäume hohen Spitzen.

Bedecken sanft die weiten Wiesen und Felder,

besuchen Euch getarnt als schimmernde Eiskristalle.

Legen uns nieder und schmunzeln vor uns hin,

weil wir wissen, dass wir doch,

wie Puderzucker auf einem Kuchen,

stets willkommen sind.


Jeden Tag steh ich am Ufer und mein Blick schweift in die Ferne. Weit über das Meer und ich hoffe, dass ich die Schiffe seh, die einst in See gestochen. Und wenn ich sie erblicke am Horizont, schlag ich die Trommel so fest es geht, damit jeder weiß, dass sie nahen. Dann werden wir die Tische decken, die Feuer entfachen und das Fleisch braten. Und wenn sie angekommen, werden wir unsere Männer umarmen und küssen. Alle im Dorf werden sich erfreuen auf deren Wiederkehr. Wir werden den kühlen Met in Becher füllen und wir werden feiern, die lange Nacht hindurch. Und wenn der Morgen graut und wir müde in die Betten fallen, wissen wir, dass die Götter waren uns wieder hold.


 

 

Versunken blätter ich in meinem Buch,

mal zurück, ein paar Seiten vor

und wieder zurück, an jene Stell,

als alles begann – woran ich mich erinner.

So viele Kapitel in meinem Leben

und kein Weg führt je zurück.

Das neue Jahr, ich spür seinen Hauch,

ein neues Kapitel wird beginnen

und wie immer bin ich bereit,

ruhig liegt die Feder in meiner Hand

und das Tintenfass steht an der Seit.


Gemeinsam geht es einfach besser,

gemeinsam kann man viel erreichen.

Denkt daran, dass das Leben für jeden

nicht immer einfach war und ist.

 

Doch wenn jeder Rücksicht nimmt,

jeder auch mal an den anderen denkt,

wenn man nicht dem Zwang erliegt,

dass es nur Wenigen besser geht,

wenn jeder endlich sein Leben lebt

und nicht ständig danach strebt,

andere Menschen einzuengen,

eigenes Denken aufzudrängen,

wenn man auch mal etwas gibt und

nicht ständig nur von anderen nimmt.

 

Es ist gut für einander da zu sein und das nicht nur in dieser stillen Zeit…


 

 Madaya und die Naturgeister

 

Ihr kommt so nah an mich heran und wollt mich mit Euch nehmen,

aber ich weiche einen Schritt zurück, denn kostbar ist mein eigen Leben.

Gerne würde ich mit Euch gehen, doch ich bin noch nicht bereit.

 

Ich will so viel verändern auf des Menschen Erde, aber bin ich allein.

Wie lange werd ich noch alleine kämpfen?

Wie lange wird es dauern, bis der Mensch versteht?

Auf was muss die Natur noch warten, bis sie sich endgültig wehrt?

 

 „Wir haben schon zu lange gewartet und gehofft, doch des Menschen Einsicht kommt nicht mehr. Also werden wir uns wehren, bis das der Mensch nicht mehr existiert!“ Wild und ungezähmt gehen die Naturgeister um.

 

„Bitte, so hört doch mein Flehen, ich bin dabei die Menschheit zu betören. Ich vertraue darauf, dass sie meine Botschaften verstehen!“ Ich senke mein Haupt.

 

Doch unsere Naturgeister kennen keine Gnade mehr und so werden sie handeln…

 

„Wir schicken den Menschen keine Sommer mehr und noch weniger die Winterzeit, auch verwehren wir des Frühlings Regen und die Freude der Mittsommerzeit. Auch gönnen wir ihnen nicht mehr die Schatten, die sie in den Wäldern fanden, auch der Duft der Wiesen wird verbrannt. Sie haben die Erde nicht verdient…“, flüstern sie mir zu.

 

„Oh, bitte, sei ihnen wohl gesinnt, die Menschen haben sich verrennt.

Verrennt in des schlechten Gespinst...“, flehend stehe ich vor den Naturgeistern.

 

Doch ich kann sie nicht mehr erreichen…

 


Und die Wölfe heulen

und die Raben schreien.

 

Und die Wölfe heulen

und die Raben schreien.

 

Und die Wölfe heulen

und die Raben schreien…

 

Die Tiere horchen auf,

die Pflanzenwelt vereint.

 

Trommelschlag durchschneidet

die Nebelschwaden.

Die Naturgeister warten ab,

der richtige Moment entscheidet.

 

Sie zahlen es mit gleicher Münze zurück!

Sie haben die Macht, jene Macht von der

das kleine Menschenkind immer träumt!


Oh, ich will nicht,

dass mein kleines Herz zerbricht!

Schenk mir Dein Gehör,

nur ein kurzer Blick von Dir!

Hab ich mich verliebt und ich weiß,

dass Du mich nicht eines Blickes würdigst!

Doch hör mir zu, Du schönes Geschöpf,

ich geb Dir viel, von dem Du nur träumst.

Geborgenheit und Schutz immer da, 

nie soll es Dir an etwas mangeln,

für alle Zeit.


„Die Stimme so zart, umgibt den Wald,

sie beschützt all jene, die ihr folgen.

Der Ruf der Naturgeister begleitet sie

und wenn sie verstummt…“

 

„Aber Vater, wenn ihre Stimme verstummt,

das ist doch nicht gut, oder?“

„Nein, mein kleiner Sprössling, nein!“

 

Ihre Blätter wiegen sich gemeinsam im Winde, der alte Baum

mit seinem Kinde.


 

Mystisch dringt Gesang durch den tiefen Wald,

Zeit vergeht und noch immer

hört man nur die Stimme.

Trommelschlag setzt ein und

rauscht durch den Wald,

im Einklang verschmolzen

schallen sie übers Land.

Sie klagen an, sie trauern,

sie sind bereit für den Kampf.

Sie vertrauen auf all jene,

die Mutter Erde beschützen mögen.

 

 


„Hör nur, sie spielen unser Lied! Komm, lasst uns zur Bühne gehen, lasst uns tanzen und Freude spüren. Lasst uns die Sorgen für diese eine Nacht vergessen und lasst uns einfach nur glücklich sein!“

 

Und so tanzen sie die ganze lange Nacht hindurch. Der Mond hat längst seine Tränen über die Natur verteilt, der Nebel weicht den ersten Sonnenstrahlen. Die Musik längst verstummt, doch sie tanzen und lachen, sie drehen sich im Kreise. Kein Mensch mehr weit und breit, sie sind allein. Allein unter sich.

 

„Es ist an der Zeit, ihr müsst gehen, bevor die Sonne hoch oben steht!“ Die Stimme, sie ist so weit weg und doch ganz nah.

 

„Lass uns noch tanzen, nur für einen Moment. Lass uns diesen kleinen Augenblick noch genießen und dann ziehen wir uns zurück…“

 

Nur noch ein kleiner Augenblick und dann ziehen sie sich wieder zurück, mit Tränen in den Augen.

 

Die Naturgeister


„Sie werden uns doch nicht wirklich fällen, oder?“

 

Ein leises Raunen geht durch den Wald und den Bäumen wird gar kalt. Alle Wurzeln der Pflanzenwelt, verflochten und verwoben, tauschen sich aus.

 

„Wir verstehen nicht, dass das kleine Menschenkind immer noch mehr will.“

 

Geben wir so viel und doch sollen wir weichen, für die zu stillende Gier?

 

Die Luft, die Ihr atmet – die reinigen wir!

Eure geschundenen Seelen – die heilen wir!

Der Schatten, der Euch schützt – den spenden wir!

 

Es seien hier nur wenige Gaben genannt, erreichen diese nicht endlich

Euren kleingeistigen Verstand?

 

Schenkt uns unser Leben, hört Ihr denn nicht unser aller Flehen?

Lasst uns und unsere Freunde endlich in Ruh!

Die Tränen der Natur, berühren sie Euch nicht?

Du kleines Menschenkind, Du wirst fallen, in Dein eigenes Grab!

 

Waköley und seine Elfe


Die Zeiten im Leben werden uns immer prägen,

sie sind mal gut und sie sind auch mal schlecht,

sie bringen uns zum lachen, aber auch zum weinen.

Sie lassen uns Freude erfahren und spüren,

doch bringen sie auch Trauer an manchen Tagen.

Die Zeiten im Leben werden uns immer prägen,

sie formen uns und machen uns zu dem was wir sind.

Mit Ecken und Kanten, wie ungeschliffene Diamanten,

sie machen uns stark, wenn wir es am meisten brauchen

und auch schwach in unseren schwersten Stunden.

Die Zeiten im Leben werden uns immer prägen.


Ich schlage meine Trommel,

singe die alten Lieder!

Erzähle Eure Geschichten!

Der Wind ist mein Begleiter,

in dieser langen Nacht!

Hört Ihr meine Stimme?

Ich singe nur für Euch,

Ihr alten Götter!

Zeigt mir den Weg,

jenen vergessenen Weg,

der mich zu Euch führt!

Die Natur ist mir heilig,

ich werde sie ehren mit

all meiner Kraft!

Ich will Euch vieles wieder

geben, weil ihr so vieles

für mich geschaffen habt!

Ich bin nur ein kleines

Menschenkind, dass manch 

Fehler begangen hat…


Der Kampf beginnt,

kein Regen rinnt,

der Mensch klagt an,

die Natur sie leidet,

kein Tropfen fällt,

die Erde vertrocknet,

wie lange halten wir dies aus?

Ist es ein Test?

Wer ist stärker?

Die Natur leidet für uns!

Sie geht an ihre eigene Grenze!

Bedenkt, selbst aus steiniger Erde

Leben entsteht!

Ihr erinnert Euch?

Die Natur braucht uns nicht!!!


Was mein Herz berührt

 

Was mein Herz berührt?

All die unscheinbaren Geschehnisse um mich herum.

Die vielen Kleinigkeiten, die sonst niemand bemerkt.

Kleine Tiere, die mich stets umgeben in der bunten Blütenpracht.

Winzige Augenblicke, die meinen Weg begleiten.

Meinen Schutzengel, dessen Nerven ich stets strapaziere.

All das kleine Glück, welches mich, auch wenn ich es nicht sehe, beschützt.

Und die vielen kleinen Schneeflocken, die in einer kalten Winternacht

auf mich hernieder fallen…

Was mein Herz berührt?

Das ist unser Planet, die Erde, die so viele Fußtritte abkriegt!

 


Alte Geschichten aus dem Wald,

was vermögen sie zu erzählen?

Hör den Bäumen nur gut zu und

lerne daraus für Dein Leben.

Es sind so viele verschiedene Stämme

und doch halten sie stets zusammen.

Schützen sich in kalten Wintern,

spenden Schatten in der warmen Zeit.

Ach, wie werden sie alle bloß genannt,

Ahorn, Birke und auch Buche, stehen

gemeinsam, nicht nur am Waldesrand.

Die stolze Eiche plaudert mit der Eibe,

auch die Erle reiht sich mit ein,

wird sie von der Esche und Kastanie

nicht immer begleitet.

 

Hier seien nur wenige genannt, doch

schau genau hin und das nicht nur

am Wegesrand.

Geh hinein Du Menschenkind und

reih Dich ein, sollst Dich wohl fühlen,

wir lassen Dich nicht allein…

 

Die Waldgeister  


In der Nacht wenn alles schläft, eilen sie herbei auf leisen Sohlen.

Schauen nach dem rechten und ihre Blicke stets verstohlen, um sich schaun.

Der schmale Spalt, der sich geöffnet für den kurzen Augenblick, ruft seine Naturgeister wieder in´s sichere Versteck zurück.

Noch vor den ersten Sonnenstrahlen, schließt er sich still und in der nächsten Nacht, so es die Natur will, lässt er die Geister wieder gehen, damit sie erneut nach dem rechten sehen…


Hör nur, der Pferde Hufen, welch auf den harten

Boden schlagen, fest und tief, voll Wehmut und

strotzend vor Stolz.

Hör nur, der Drachen Schwingen schlagen durch die

dunkle Nacht, fest und tief, voll Wehmut und

strotzend vor Stolz.

Hör nur, auf des Elfenvolkes Gesang, welch dringt

durch den Wald, fest und tief, voll Wehmut und

strotzend vor Stolz.

Hör nur, der Naturgeister Klagelied, jenes so leise und still,

fein und zart, voll Wehmut und doch strotzend vor Stolz.

Hör nur, des Menschen hochmütig Gerede, arrogant und laut,

neidvoll und besitzergreifend, voll Heuchelei und Untergang.


Brief eines Kindes an den Weihnachtsmann

 

Lieber Weihnachtsmann, das wünsch ich mir von Dir:

 

das mein Papa Arbeit hat und sein schaffen sich wieder lohnt,

das meine Mama sich wieder um mich kümmern kann,

auch umgekehrt wär´s kein Problem.

Wir unsere Miete bezahlen können und immer was zu essen haben.

Ich möcht noch all die Tiere sehn und durch den Wald marschieren,

doch wenn ich keine Bienen mehr find, was soll daraus nur werden?

Mach doch bitte, dass alle Menschen auf unsere Erde zufrieden sind 

und gleich behandelt werden.

Ich mag auch keine Bomben, viel lieber ist mir ein großer Regenbogen.

Dann sind da noch die Verbrecher, die wieder richtig zu bestrafen,

den Wunsch darfst Du nicht vergessen.

Und schenke jedem Kind nen kleinen Engel, der immer an seiner Seite steht.


 

Wenn sich der Duft der Plätzchen in der Luft verteilt,

der Schimmer der Kerzen wollige Wärme verbreitet,

die Tage kurz und die Nächte lang geworden,

wenn Tannenzapfen und auch Nüsse auf den Tischen

liegen und selbst gemachte Kränze die Zimmer zieren,

sich die Menschen wieder auf das besinnen, was im

Leben wirklich zählt, sie bemerken das kein Geld auf

der Welt die Liebe, Geborgenheit in einer Familie kann

ersetzen, dann geht es wieder auf Weihnachten zu.

Bewahrt Euch dies Gefühl doch einfach das ganze Jahr…


 

 

Ganz leise in der ruhigen Nacht,

fallen sie aus ihren Wolken hernieder.

Weiß und unschuldig kommen sie,

legen sich still auf Mutter Erde.

In all den Nächten die jetzt kommen,

treffen wir uns wieder, tanzen, lachen

und können es kaum erwarten, die

Sonnwende sehnsüchtig zu begrüßen.

Sterne gesellen sich dazu und sanftes

Licht durchströmt den Wald.

Rauh und kalt sind diese Nächte,

das Licht lässt uns wieder hoffen.


 

 

Wie lange noch wollt ihr eure zerstörerischen Kreise ziehen?

Wie lange denkt ihr, werden wir noch vor euch entfliehen?

Wir lehnen uns zurück, denn wir haben alle Zeit der Welt!

Wir erschrecken nicht, wenn das Glück euch nicht mehr hold!

Ihr vernichtet euch für Macht und Geld!

Ihr rettet nicht das Wahre, was euch am Leben erhält!

Wir kehren wieder an diesen Ort und fangen von vorne an!

Doch für euch ist alles verloren!

 

Die Naturgeister


Kleine Prinzessin

 

Sie rennt durch die dunkle Nacht, als wenn der Lichtbringer persönlich sie bekommen möcht. Ihr weißes Kleid längst zerfetzt und von den langen Dornen, tiefe Wunden in ihr Fleisch geritzt. Doch sie rennt weiter, kleine Perlen von Schweiß an ihrem zarten Körper heruntergleiten. Die Meute hetzt sie weiter, ohne Gnade und sie rufen durch den Wald:

„Wir werden Dich kriegen, notfalls mit Gewalt!“

Ängstlich dreht sie sich um, verzweifelt schaut sie hoch. Der Himmel bleibt stumm.

„Ach, Ihr Götter mein, beschützt mich in meiner Pein. Lasst mich dieser Meute entkommen, ich flehe Euch an, lasst mich nicht allein!“

Ihre nackten Füße schmerzen, aber sie merkt dies schon längst nicht mehr. Aufgewühlt von Gefühlen, rennt sie weiter und weiter. Ihre Blicke, verstohlen, immer wieder gen Himmel schaun. Sie gibt die Hoffnung nicht auf. Doch der Himmel bleibt noch immer stumm! Angekommen auf einer kleinen Lichtung, schutzlos unterm Himmelszelt, bleibt sie stehen, sie hat keinen Atem mehr. Die Meute, welch sie erbarmungslos gejagt, steht am Waldesrand. Sie lachen und johlen. Sie sind sich sicher, die Prinzessin hat längst verloren.

Lächelnd dreht sie sich um und schaut ihren Peinigern tief in die Augen. Ihr Lachen, ihr Grölen verstummt in dieser dunklen Nacht. Sie wussten nicht, dass der stumme Himmel auf der kleinen Lichtung erwacht…


Ein eiskalter Hauch streift ihren Nacken und sie weiß sehr genau, wer hinter ihr steht. Lasandar, ein sehr alter und weise Drache. Seine eisblaue Haut deutet auf sein wahres Alter.

 

‚Ich hoffe, Ihr wisst, was ihr da erschaffen wollt und welche Folgen es haben kann, wenn es schief geht.’ Seine Gedanken tauchen tief in die Seele von Yeira ein. Sie dreht sich langsam um und schaut ihm direkt in seine dunkelgrünen Augen. Sie verliert sich darin und hebt ihre Hand, um sie auf seine Schnauze zu legen. ‚Ja, und Du weißt, wir haben viele, sehr viele Nächte darüber nachgedacht und gesprochen. Auch weißt Du, und dessen kannst Du Dir sicher sein, dass wenn es eskaliert, wir alles vernichten werden. Und damit meine ich, wirklich alles! Ohne Ausnahme!’ Sie verharren für eine lange Zeit und ihr beider Atem ist gleichmäßig und ruhig.

Sie sind in Einklang miteinander und der alte Drache haucht seine ganze Kraft in sie hinein. Die Gedanken verschmelzen und tiefe Verbundenheit begleitet von gütiger Wärme durchströmt das dicke Eis.


Nun steh ich hier, schau hoch in die Wolken

der Abenddämmerung und ich seh so viele Gestalten.

Ich weiß, wer Ihr alle seid und ich bitte darum

in dieser einen Nacht, nehmt mich bei Euch auf.

Ich werd Euch die Treue schwören!

Ich lass mein altes Leben hinter mir!

Ich will Euch auf ewig folgen!

Denn mein altes Leben ist es nicht wert!

Ich will ein Neues beginnen, mit Stolz und tiefem Sinn!

Ich werd die Natur in Ehren halten, so wie es Euch gefällt!

Ich werd die Tiere respektieren, so wie es sich gehört!

Das reine Wasser werd ich spüren auf meiner Haut!

Jeden Sonnenstrahl werd ich genießen und

der Mond wird mich durch die Nächte begleiten.

Madaya


In der dunkelsten Nacht kommen sie aus ihren kleinen Häusern. Tief im Wald verborgen warten sie auf den einen Ruf, der sie herauslockt aus ihrem Versteck. Zaghaft schauen sie in die tiefen Wälder, niemand Fremdes ist zu sehen. So wagen sich die Naturgeister heraus und hoffen, auf das sie keiner entdecke. Sie laufen zu den alten Steinen, jene, die auf sie warten. Wenn der Mond seine volle Größe erreicht und die hohen Felsen in sein sanftes Licht eintaucht, lädt er sie ein. Sie können diesem Licht nicht widerstehen und versammeln sich im Schutze der tiefen Nacht. Sie singen ihre Lieder und knien im Mondeslicht nieder, sie werden all jene beschützen, die ihres Weges gehen.


Ich gebe meine Seele frei,

an jene, die nach mir schrein.

Es ist nicht nur der Himmel,

der nach mir schaut.

 

Nein, es ist auch der Teufel,

und er giert und schnaubt.

Lang macht er seinen Arm,

meine Seele ihm längst erlegen.

Doch sehne ich mich nicht

nur zur Teufels Seit.

 

Nein!

 

Ich strebe hoch zu unseren

Ahnen Göttern, die mir

auf immer treu und ehrlich 

wohl gesinnt, so sei es,

dass auch ich, ihnen mein Leben 

auf immer und ewig schenk!


Der eine Brief

 

Ich will Dir schon so lange schreiben, doch nahm ich mir nie die Zeit, aber heut setz ich mich nieder, um Dir zu zeigen, wie gerne ich Dich mag.

Du lässt mich über Wiesen laufen und im Schatten der Bäume verschnaufen. Der Duft der Blumen zieht übers Land und die Früchte der Sträucher schenkst Du mir.

In Deinem Wasser will ich schwimmen gehen, egal ob im See oder weiten Meer. Dem Bachlauf will ich folgen bis zu seiner Quell.

Mein kleines Herz schenk ich Deinen Tieren, egal ob klein oder auch groß, ob sie mit ihren Flügeln flattern, kriechen oder auf Pfoten wandern, ich nehm sie auf in meinem Schoß.

Mein Dank gilt auch der Sonnen Strahlen, wärmend auf meiner feinen Haut, des Mondes nächtlichen zarten Schein, umrahmt vom zerbrechlichen Sternenhimmel. Würden sie verschwinden, so würde auch mein Leben ausgehaucht.

Auch will ich all Deine Berge erklimmen bis zu Schwindel erregender Höh und wenn ich dann hoch oben steh, mein Blick stolz über Deine Landen schweift.

Und seh ich meine Freunde dann, wie sie tanzen und sich des Lebens freuen, sich an den kleinen Händen fassen und ums Feuer tanzen, wird mir ums Herz ganz warm.

Die Erde ist ein schöner Ort, ich will hier ewig leben, doch wird sie je zerstört durch Menschenkinder Hände.

Wir beschwören die Vernunft all der Menschenkinder, bitte haltet ein und beginnt, die Erde endlich zu respektieren.

 

Wakölej und seine Elfe                                                              


Ein tiefer Ton schallt übers Land, die Raben fliegen durch die dichten Wolken, ein kleiner Falke weist ihnen den Weg. Und wieder ertönt der tiefe Ton, der Ton des Sabalack-Horns

und er wird begleitet von Trommelschlag.

Zu den Raben und dem kleinen Falken, gesellt sich der Adler. Und seine Gefährten folgen ihm. Hoch oben lautlos und still.

Die Eulen warten, sie warten auf den nächsten Ton. Er erklingt und auch sie machen sich auf den Weg. Der kleine Falke ruft nach seinen Freunden und sie erheben sich.

Still wird es im Land. Doch dann!

Das anklagende Heulen der Wölfe erklingt und ruft nach allen Waldbewohnern, sich auf den Weg zu begeben. Sie kommen aus ihren Verstecken, begleitet vom tiefen Ton des Horns. Der Trommelschlag wird intensiver.

Der Mond schaut hinter den Wolken hervor und er begleitet ihren Weg. Den Weg zur Feuerstelle, an der sich alle versammeln werden. Die Natur sie horcht auf und lächelt! Ihre Naturgeister rufen!

Das wärmende Feuer erwartet alle und die Natur weiß, dass alle kommen werden, um zu beratschlagen, um zu entscheiden.

Die Götter schauen auf sie hernieder und warten. 

Niemand weiß, wie sie sich entscheiden werden. Es wird eine lange Nacht und sie wird nicht die Letzte sein!


Niemand kennt meine Seele,

kein Mensch kann erahnen,

wie es in meinem Inneren brennt.

Niemand kennt mein Leiden,

wie es sich anfühlt, sich nach

dem einen zu verzehren.

Das eigene Leben, ohne den

erniedrigenden und gegeißelten Zwang.

Immer nach mehr zu streben,

ohne das man es wirklich will,

und alles nur um der zwanghaften 

Schublade endgültig zu entfliehen.


 

 

Ich rannte einst allein und verängstigt durch den Wald, ein Flügel ward mir gestohlen. Immer tiefer lief ich hinein und es ward finster, um mich herum nur Pein. Da kam ich an eine alte Hütte aus Holz und ich trat ein. Sie stand leer, so dachte ich bei mir, das war gut, denn hier konnte mir nichts passieren. Fehl gedacht, denn nach kurzer Zeit hörte ich Stimmen, ich versteckte mich so gut ich konnte. Zwei Riesen traten ein mit schallendem Gelächter und der eine hielt inne, rümpfte seine Nase.

„Es ist jemand hier in unserer Hütte!“ Stellte er verwundert fest.

Sein Kumpel pflichtete ihm bei und entdeckte mein Versteck. 

Mit riesigen Schritten kam er auf mich zu, packte mich im Nacken und hielt mich hoch. Sie bestaunten, was sie doch sahen. Zum Glück war ich lieb und mit langem Haar. Statt mich zu verspeisen, luden sie mich zum Essen ein. Und noch heute sind wir die besten Freunde…


Dann kam der Weise, ganz leise,

und er sprach zu seinesgleichen:

„Wartet einfach ab, die Menschheit

schaufelt sich ihr eigenes Grab. Sie

spotten, lästern, als wären sie von

gestern. Halten nichts von der Natur,

sie sind wie sie sind, eben stur.

Denken immer nur an sich und

merken nicht, wie es um sie steht.

Uns Naturgeistern, kann es egal

sein. Doch den Wenigen, die uns

schätzen, denen bewahren wir

stets unter uns ein warmes Plätzchen.“

 

 


Unsere Welt werden wir vor Euch beschützen.

Euren arroganten Stolz werden wir nun brechen.

Wir werden keine Rücksicht mehr nehmen.

Mehr denn je werden wir die Schleusen öffnen,

mehr denn je jagen wir mit dem Wind übers Land.

Wir werden keine Rücksicht mehr nehmen.

Mehr denn je lassen wir die Sonne erstrahlen,

mehr denn je werden wir den Mond verstecken.

Wir werden keine Rücksicht mehr nehmen.

Mehr denn je bringen wir die Erde zum Beben,

mehr denn je lassen wir die Vulkane speien.

Wir werden keine Rücksicht mehr nehmen.

Mehr denn je werden Eure Bemühungen versagen,

uns zu zähmen oder gar zu besiegen.

  

Die Naturgeister


 

Es gibt Menschen auf unserer Erde,

die leben mit der Natur.

Es gibt Menschen auf unserer Erde,

die glauben an Elfen.

Es gibt Menschen auf unserer Erde,

die glauben an Trolle.

Es gibt Menschen auf unserer Erde,

die leben zusammen mit den Naturgeistern.

Und ich? Glaube an diese Menschen!


Wenn ich so darüber nachdenke,

wenn ich meinen Gefühlen nachgeben könnte…

Moment mal, warum könnte?

Kann ich doch, oder?

Was werde ich dann machen?

Ich werde entfliehen auf eine Insel im Meer.

Eine Insel mit rauem Klima und Vulkanen.

Eine Insel die eins ist mit dem Meer.

 

Eine Insel die mich gefangen hält mit ihrer

Magie.

 


Und wieder sitze ich hier,

zünde mir ne Zigarette an.

Denke über das Geschehene

in unserer Welt nach

und was soll ich sagen,

was soll ich denken,

was soll ich noch fühlen?

Ich weiß es nicht…

Meine Zigarette ist am Ende, 

unsere Zeit auf Erden auch?

 


Einst erblickte ich in der Tiefe meines Waldes das Licht. Ich spielte mit meinen Freunden und wir flogen durch unsere kleine Welt.     

Wir spielten mit all den Tieren, die mit uns hier lebten, waren eins mit der Natur und spürten die pure Lust am Leben. 

Wir hörten von den Menschen, die auf dem Planeten lebten, unsere Neugier war sehr groß und wir begaben uns auf den Weg. 

Als wir ihre Welt erblickten, umgab uns nur die Angst, denn die meisten Erdenkinder waren nicht wie erwartet, eins mit ihrer kleinen Welt. 

Nur Wenige wussten es zu schätzen, was die Natur ihnen gab, die Meisten waren geblendet durch Habgier, Neid und Hass. 

Noch eine kleine Weile beobachteten wir ihr Leben und zogen uns wieder zurück, in den kläglichen Rest der Tiefe unseres kleinen Waldes. 

Viele unserer Freunde leben hier nicht mehr, sie haben ihr Leben verloren durch des Menschen Gier…

 

Wakölej und seine Elfe


 

Liebliche Stimme, Du kommst zu mir 

und ich genieße sie mit all meinen Sinnen. 

Lehne mich zurück und höre Dir zu… 

Du erzählst mir von der Welt, 

Du erzählst mir von der Liebe, 

Du beichtest mir was Dich quält… 

Liebliche Stimme meiner Erde. 

Der Tod ist nicht das Ende.

 


 

 

Niemand will Krieg,

aber der Wettstreit ist in vollem Gange.

Niemand will korrupte Menschen haben,

doch stehen viele ganz oben.

Niemand will getreten werden,

doch von oben geschieht es immer wieder.

Niemand will das Leid auf Erden sehen,

doch ist es allgegenwärtig.

Niemand will am Rande stehen,

sondern einfach nur mitten im Leben.

 


Hörst Du auch das Geräusch? 

Welches Geräusch meinst Du? 

 

Das Geräusch, welches die Luft durchschneidet, 

es teilt die Luft  in Gut und Böse… 

 

Und dann herrscht Stille!                                            

 

Hörst Du das Geräusch? 

 

Das Zischen der Pfeile, die die Luft durchschneiden…

Es raubt mir den Atem, 

nur meinen?

 

Nein!

 

Unser aller Atem!

Den Atem nach Ruhe. 

Den Atem nach Glück. 

Den Atem nach… 

 

Nach was?  

Stille!  

Nach etwas, was nur die Natur kennt!

 

EINIGKEIT!


 

Ich liebe mein Erdenreich, 

doch liebt es mich? 

Ich liebe meine Natur, 

doch liebt sie mich? 

Ich weiß es nicht, 

oder doch? 

Sie wehren sich mit aller Kraft 

und ich merke es nicht! 

Oder doch?

 


 

 

 Stille liegt über den Ländern, 

vor dem großen Niedergang. 

Jeder möchte es vermeiden, 

diesen widerlichen Weg. 

Warum macht man sich 

das kurze Leben schwer, 

wenn es doch so einfach ist, 

das Leben zu genießen, 

so wie es nun mal ist.

 

 


 

 Ich bin größer, 

nein ich bin größer. 

Ich habe viel mehr Muskeln, 

nein, ich hab mehr. 

Meine Sachen sind viel schöner, 

nein, meine sind es, die hier erstrahlen. 

 

Sind die Herrschaften dann erwachsen, 

halten die Macht in ihren Händen. 

Fangen wieder an zu streiten wie kleine Kinder, 

ist es schlecht bestellt um unsere Länder.

 



 

Der lauwarme Atem streift ihren Nacken und sie weiß wer hinter ihr steht. Langsam neigt sie ihren Kopf zur Seite, die kalte Schnauze berührt ihre Wange und wieder entweicht ein warmer Atemzug. Ein tiefer Seufzer hallt an ihr vorbei. Mit ihrer zarten Hand streicht sie eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht, in der linken Hand hält sie ihre Axt. Neben ihr liegt der Bogen und wartet nur darauf, gemeinsam mit seinen Pfeilen den Feind zu besiegen.

„Wir werden immer zusammen halten und Seite an Seite kämpfen…“, sie dreht sich zu ihrem Drachen und verliert sich in seinen dunklen grünen Augen. Er schnaubt und neigt seinen Kopf zu ihr. Sie stehen hoch oben auf dem Felsen, der Schatten von Wakölej weicht der nahenden Nacht und ihre Blicke verlieren sich im Dunkel. Der Clan wartet ungeduldig.

 

 


Blüte

 

Der zarte Stengel reckt sein Halse gen das helle Sonnenlicht,

die kleine Knospe an seinem Ende verrät noch nicht, was ihr Inhalt ist.

Doch in der Nacht, da bewegt sie sich und stößt die schützende Schale auf.

Sie wartet geduldig auf das Licht, um ihre Schönheit der Welt zu zeigen.

Mit Vorsicht lugt sie aus der Schale und kommt ganz langsam heraus,

sie entfaltet ihre strahlende Blüte, welch glänzet im großen Saale.

Stolz genießt sie den langen Tag, bis das die Nacht wiederkehrt,

damit sie ihren Kopf kann neigen und sie für immer verblüht.

 


Klirrende Kälte fegt über das Land.

Mit jedem unserer Schritte sinken wir tiefer!

Tiefer in den Schnee…

Mit jedem unserer Schritte kriecht die eisige Kälte an uns hoch!

Mit jedem unserer Schritte sinken unsere Kräfte!

Mit jedem unserer Schritte weichen wir nicht zurück!

Mit jedem unserer Schritte gehen wir über gefrorenes Wasser!

Mit jedem unserer Schritte kommen wir unserem Ziel näher!

Seht nur! Unser Dorf…unser Clan erwartet uns.

Unsere Feuerstellen lodern!

Unsere Jagd war erfolgreich und die Felle werden uns wärmen.

Morgen ziehen wir wieder los und niemand weiß, ob wir alle zurückkehren.


Ich kehre zurück zu meinen Ahnen,

jene, die mich immer mahnten,

vor all zu großer Macht und Gier.

Nun steh ich hier!

Ich stehe hier und schreie laut,

damit es jeder hört!

Ohne Kleider und ohne Zwang,

so nackt wie ich einst auf die Erde kam,

werde ich auch wieder gehen.

Ohne Klagen und ohne Schmerzen!

Der Ort der mich erwartet, wird frei sein,

wie ich diesen auch erhoffe.

Seid ihr bereit mir zu folgen?

Wohl kaum, denn ihr erliegt lieber

den endlosen Qualen, voll Neid und Hass

und das ohne Unterlass!


 

 

Winterwald

 

Komm mit uns in den Winterwald, 

lass uns kleine Schneeflocken fangen. 

Stapf mit uns durch den tiefen Schnee, 

komm wir machen eine Schneeballschlacht. 

Das dicke Eis des Sees glitzert im Licht, 

lass uns Spaß haben den ganzen Tag. 

Kleine Schnee-Engel lächeln uns an, 

die anderen sind schon hier und erwarten uns.

 

 


 

 

Die Klingen der Schwerter blitzen auf im Sonnenlicht,

die Armee steht bereit und steht dem Feind gegenüber.

Die Schlacht beginnt und das Blut, es rinnt,

das Schlachtfeld wird getränkt von des Feindes Lebenssaft.

Sie kämpfen bis die Dunkelheit über sie hereinbricht,

die ganze lange Nacht, bis das der neue Tag erwacht.

Die ersten Sonnenstrahlen durchdringen dunkle Wolken.

Es ist vollbracht, sie haben dem Feind den Gar ausgemacht,

sie werden sich bereichern an des Feindes Gaben

und sich an ihren Schätzen nun freudig laben.

Die Freude hält nicht lange an, denn zu viel Blut klebt daran.

 


In der Abenddämmerung sitzt eine Mutter mit ihrem kleinen Kind auf dem Felsen Kalar. Sie lauschen in den Wald hinein, sie beobachten all die Tiere und sie sehen den Wellen zu, wie sie ankommen.

„Hörst du es?“ Die Mutter legt den Arm schützend um ihr kleines Kind.

„Was denn Mama?“

„Hörst Du das Pochen?“

Das Kind lauscht…

„Ja, Mama ich höre das pochen und es ist laut und schwer.“

„Laut und schwer, so schwer mein Kind.“ Erwidert die Mutter.

„Wessen Herz schlägt denn da so laut?“ Will das kleine Kind wissen.

„Es ist das Herz der Erde und wenn es aufhört zu schlagen…“, die Mutter hält inne.

„Was ist, wenn das Pochen verstummt?“ Fragt das Kind.

„Dann ist es zu spät!“ Nachdenklich blickt die Mutter übers Meer.


Aus der Ferne höre ich einen Gesang. Ich lausche ihm die ganze Nacht, bis er verstummt. Der Tag vergeht und die Dunkelheit naht und wieder vernehme ich den Gesang, leise und doch durchdringt er die endlose Nacht. Und ich begebe mich auf den Weg, folge den dunklen Stimmen. Endlich bin ich angekommen und schaue aus meinem Versteck. Hohe Flammen lodern dem Himmel entgegen und da stehen sie. Sie huldigen den Göttern, sie huldigen der Natur und mich zieht es zu ihnen hin, kann mich nicht dagegen wehren. So reihe ich mich ein und singe einfach mit. Ein wärmendes Feuer und im Kreise der Naturgeister werde ich aufgenommen. Sie fragen nicht wer du bist, sie fragen nicht woher du kommst, sie fragen nicht ob du arm bist oder reich. Sie nehmen jeden auf, der ihnen wohl gesonnen ist.


Welches Glück auf Erden kann mir eines wieder geben,

was ich einst verlor in den Wirren der Gefühle.

Niemand auf Erden kann es mir schenken, auch wenn er es findet.

Es rinnt durch seine Finger und ist verdammt auf Ewigkeit.

 

Schau, ich halt es in meinen zarten Händen und will es weiter geben, doch hab ich es verloren für alle Zeit.

Niemand auf Erden kann es auffangen, auch wenn er es wollte.

Es rinnt durch seine Finger und ist verdammt auf Ewigkeit.

 

Renne hinterher so oft du kannst und versuch es einzuholen,

aber es wird dir nicht gelingen in dieser schweren Zeit.

Niemand auf Erden wird es je bekommen, auf seiner ständigen Jagd.

Es rinnt durch seine Finger und ist verdammt auf Ewigkeit.

 

Nun steh ich da und sehe die Welt mit meinen Augen,

in Gedanken jage und renne ich hinterher, aber vergebens.

Niemand auf Erden kann es aufhalten, es entkommt immer wieder.

Es ist die Zeit, die nicht unendlich läuft und vor uns macht sie halt!


Der Boden bebt und rüttelt die Bewohner wach. Sie blicken zum Vulkan und sehen seinen dunklen und bedrohlichen Rauch, den er gen Himmel schickt.

 

In dieser schwarzen Nacht gibt er die Runen frei, doch die Bewohner werden sie nicht kriegen, denn die Götter warten schon und wissen dies zu verhindern.

 

Magische Runen, Neun an der Zahl, jede mit ihrer eigenen Bedeutung und sie wählen ihre Hüterin aus, welche sich ihrer annehmen darf. Die Götter wissen, dass die Auserwählte sie zu schätzen und einzusetzen weiß. Wer mag wohl diese Hüterin sein?


Lasst mich heute, Euch ein Märchen erzählen.

 

Ein Märchen über einen Planeten, mit all seinen Tieren, mit all seinen Sträuchern, Blumenwiesen und mit all seinen stattlichen Bäumen und Tannen. Meere und Seen, Wasserfälle die von Gebirgen in die Täler hinabstürzen.

 

Ihr sagt jetzt bestimmt, das ist doch kein Märchen.

 

Es ist doch unsere Erde!

Ja, das stimmt.

 

Aber wenn sich die Menschheit nicht besinnt und die kostbare Zeit weiterhin durch ihre Finger rinnt, wird dies in ferner Zukunft ein Märchen werden. Ein Märchen über die Erde.

 

Seid Euch sicher, ganz bestimmt.


Neun Runen

Dunkelheit zieht übers Land und still schaut der Mond herab. Mit ruhiger Kraft stehen große Steine angeordnet zu einem Kreis. Inmitten kniet eine Elfe und schaut zum Mond. Sie hält in ihrer Hand die Steine der Ahnen fest. Wind kommt auf und die Blätter der Bäume fangen an zu tanzen. Das Gras wiegt sich sanft in der Nacht hin und her.

Sie öffnet ihre zierliche Hand und gibt neun Runen frei. Die kleinen Steine steigen hoch und schweben über ihr. Ein leichter Glanz umgibt sie und wie von Geisterhand bewegen sie sich. Immer wieder ordnen sie sich neu und nie sind sie mit dem Ergebnis zufrieden. Stunden vergehen und der Wind wird stärker, einige Blätter verlieren den Halt und fliegen mit. Der alten Eiche Krone neigt sich mehr und mehr. Ein tiefer Seufzer schallt durch den Wald. Nebelschwaden verirren sich um den Steinkreis und ein kleiner Schweif streift die Elfe. Enttäuscht blickt sie hoch zu den Runen und streckt ihre kleine Hand aus. Eine Rune nach der anderen fällt in ihre Handfläche und sie schließt ihre Hand.

Sie steht auf, geht zur alten Eiche und lächelt. Schleichend kommt der Morgen, der Wind hat sich längst gelegt. Nichts erinnert an die letzte Nacht. Die Steine, welche nur im Kreise stehen, werden unscheinbar. Ein sanfter Schimmer durchströmt die uralte Eiche.

Eine zarte Stimme flüstert: „Beim nächsten Mal werden sich die Runen einig werden. Beim nächsten Mal Wakölej.“


„Ich versteh es nicht…“         

„Was verstehst Du nicht?“

„Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Ich kapiere einfach nicht das Handeln der Menschen.“

Warum machen Sie das?“

„Was machen Sie denn?“

„Das fragst Du noch?“

„Ja? Sei doch mal ehrlich. Die Menschen, seit Sie auf unsere Erde sind, in unserer Welt leben, machen doch immer nur das Eine…!“

„Ich weiß, aber ich versteh es nicht und ich werde es nie verstehen!“

„Tja, da sind wir schon zu Zweit!“

„Also, Du verstehst es auch nicht?“

„NEIN!!!“

„Und was machen wir jetzt mit Denen?“

„Keine Ahnung…, löschen vielleicht? Wir lassen Sie einfach verschwinden, als wenn Sie nie gelebt hätten?“

„Und dann? Was kommt danach?“

„Tiere!“

„Tiere? Sind die denn besser?“

„Oh ja, wesentlich, glaub mir, die sind wesentlich besser!“

 

Wakölej, der Baum mit seiner Elfe, die über Euer Leben wachen und auch über Euch richten werden!


Du stolze Eiche, streckst dich empor, gegen das Sonnenlicht und du denkst dir nur,

was willst du von mir, ach du kleiner Wicht.

Ich bin dir überlegen und ich könnt dich niedertreten.

Also, was ist dein Begehr, so sprich zu mir!

Ich steh vor dieser großen Eiche und ich stammle vor mich hin.

Verzeihe mir, dass ich auf dieser Erde bin.

Ich will deiner und auch meiner Natur doch nur dienen, aber es gelingt mir nicht!

Immer wieder werde ich vom Weg geleitet, von des Menschen schlechten Licht!!

Hilf mir deinen Weg zu finden und mir nichts Schlechtes geschieht. 

Ich will dir doch helfen, aber dies gelingt mir noch nicht….


 

Auch wenn ihr meint, ihr könntet mich besiegen, so ist eins gewiss!

Je mehr ihr mich schändet, umso mehr zahl ich es euch zurück!

Euer kurzes Leben kann mir nichts geben, aber ich kann es euch nehmen!

Selbst aus der steinigsten Erde, entsteht mein Leben.

Werdet euch endlich mal darüber bewusst, warum ich euch gestatte, auf meinem Planeten zu verweilen.

Denn erst dann, wird euer Leben ewig sein…

 


Mein Weg

 

Ich gehe meinen Weg und ich weiß nicht wo hin er führt.

Ein wenig kann ich ihn lenken, doch oft wird er vorgegeben.

Was erwartet mich am Ende?

Wird er kurvenreich sein?

Wartet eine Kreuzung auf mich?

Dann muss ich mich entscheiden! Nur wie, frage ich mich.

Welche Entscheidung wird die Richtige und welche die Falsche sein?

Ich drehe mich um und schaue zurück, aber vorwärts muss ich weitergehen!

Schritt für Schritt meiner Zukunft entgegen, nur welche wird diese sein?

Unter meinen Füßen spüre ich immer wieder Steine und doch bleibe ich nicht stehen.

Mein Weg hat viele Seitenwege und Menschen gehen auf ihnen.

Manchmal höre ich Kinder weinen, aber auch wie sie lachen. 

Noch gehe ich alleine meinen Weg..

Die Seitenwege verschmelzen und es entsteht eine große Straße.

Ich bin nicht mehr alleine!

Wir werden gemeinsam auf dieser Straße gehen und wir werden zusammen entscheiden!

Angekommen an einer Kreuzung, müssen wir uns entscheiden!

Welche Entscheidung wird die Richtige und welche die Falsche sein?

Wir drehen uns um und blicken zurück, doch vieles lässt uns erschrecken, aber wir müssen weitergehen!

Schritt für Schritt unserer Zukunft entgegen, nur welche wird diese sein?

Unter unseren Füßen spüren wir immer wieder Steine und doch bleiben wir nicht stehen.

Werden wir es besser machen?


ISLAND

 

Du ziehst mich in Deinen Bann und ich will Dir nicht widersprechen. Mir wird kalt und doch ist mir so heiß, warum machst Du das mit mir?

Unter meinen Füßen spüre ich Deine Unruhe und es dauert nicht mehr lang, dann wirst Du Dich widersetzen.

Du duldest nicht die Menschen, die Dich nicht respektieren und ich weiß, es dauert nicht mehr lang und es bricht aus Dir heraus.

Dein totgeschwiegener Geysir meldet sich aus dem tiefsten Reich. Lang ist es her, dass er sich zu Wort gemeldet hat.

Jahrzehnte ruhte er still, doch er erwacht wieder zum Leben und er zeigt den Menschen was er von deren dummen Ignoranz hält.

Ihm gefällt nicht, dass sie Münzen in sein reines Wasser werfen!

Er findet es verwerflich, dass sie ihren Müll achtlos wegwerfen!

So viele Menschen auf seiner Insel, er weiß, das ist nicht gut für ihn!

Und er überlegt und denkt nach!

Wie rüttle ich meine Bewohner wach, damit sie verstehen, was ich davon halte?

Ich gebe ihnen doch so viel von mir und sie müssen sich nicht sorgen, denn ich werde für alle Zeit über sie wachen,

wie ich es schon in den vergangenen Jahren getan habe.

Warum lassen sie es zu, dass mich fremde Menschen schänden?

Warum gewähren sie Menschen Zutritt auf mein Land, auf meine kleine, doch so lang geschützte Insel?

Ich denke an den alten Drachen, der einst auf seinem Felsen unter dem Schatten der großen Eiche saß.

Und ich werde derjenige sein, der diese Lektion erteilt. Schon viel zu lange habe ich geschwiegen!

So hört doch auf meine Rufe und lasst nicht zu, dass so viele fremde Menschen unsere kleine Insel überfluten!

So hört doch mein Flehen, meine alten Bewohner!

Ich bitte Euch nur darum, meinen Wunsch zu respektieren und mich zu schützen, so wie Ihr es schon immer getan habt!

Ihr wisst, dass ich stärker bin!

Meine Verbündeten sind die Elfen und die Trolle, die aus ihrer versteinerten Hülle herausbrechen werden. Es sind die Naturgeister! Und alles was sich ihnen in den Weg stellt, wird vernichtet werden!

Der alte Vulkan unter dem Gletscher, denkt Ihr auch an ihn? Glaubt Ihr wirklich, dass er still bleibt, wenn ich ihn um seine Hilfe bitte?

Ich frage Euch nun, wollt Ihr das wirklich?


 

Wenn die Sonne

Wenn die Sonne untergeht und das Meer in Flammen versinkt, erst dann wird der Mensch erkennen, was er verloren hat. Er wird merken, dass sein viel zu kurzes Leben durch seine Finger rinnt. Er wird erkennen, dass all sein Schaffen auch zur Zerstörung führt. Doch das neue Leben, wird er nicht mehr erleben, denn es sind die neuen Bewohner, die auf unserem Planeten ihren Platz finden werden. Und diese neuen Bewohner werden es besser machen, sie werden Neues erschaffen und es in Ehren halten, egal was kommen mag. Sie werden zusammenstehen und dafür kämpfen. Gemeinsam und in jeder Zeit.


Der alte Drache

 

Die große Eiche wirft ihren Schatten weit über den Fels, auf dem der alte Drachen sitzt. Er ist weise und sein getrübter Blick schweift in die Ferne. All die Gedanken schwirren wild umher und er hat Mühe sie zu ordnen. Viel, eigentlich zu viel geht ihm durch den Kopf.

Er fragt sich: Warum sind die Menschen so wie sie sind, aber er findet keine Antwort.

Er versteht nicht: Warum fügen die Menschen sich gegenseitig Leid zu?

Er kann nicht fassen: Warum werden Kinder geschändet oder ermordet?

Er windet sich: Warum ist die Gier nach Macht so viel mehr wert als das Leben selbst?

Er rätselt: Warum fasziniert bunt bedrucktes Papier oder schillernde Münzen die Gemüter?

Er flüstert: Warum zollen sie der Natur und den Tieren keinen Respekt?

Er spricht: Warum sind die Menschen überhaupt auf der Welt?

Er schreit: Warum verschwinden sie nicht einfach?

Er schämt sich: Warum sind die Menschen so wie sie sind?

 

Stunden vergehen und die Sonne ist längst hinter den Bergen verschwunden und der Schatten der Eiche hat sich zurückgezogen. Sein Blick wird klar und er brüllt übers Land. Er weiß, dass ihre Lektion, die sie zu meistern haben, kommen wird. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.


Hörst Du das Flüstern?

 

Hörst Du das Flüstern? Die stille Stimme, die Deinen Namen ruft?

 

Still und dunkel ist die Nacht, Deine Schritte wählst Du mit Bedacht und doch werden sie schneller. Dunkle Nebelschwaden ziehen an Dir vorbei und beißender Geruch liegt in der Luft. Deine Augen brennen und Du atmest schwer. Sei auf der Hut, denn sie sind vielleicht schon hinter Dir. Du hast alles verloren und bist auf der Flucht. Der Wald, durch den Du laufen musst, beschützt Dich und der Weg fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Und doch, nur noch wenige Schritte, dann hast Du den Fluss erreicht. Ängstlich schaust Du Dich um, denn die Dich schützenden Bäume musst Du verlassen.

Noch immer ziehen Nebelschwaden an Dir vorbei, als wären sie auf der Flucht. Auf der Flucht vor was? Du kniest Dich am Ufer hin, um das kühle Nass mit der Hand einzufangen. Der Fluss ist dunkler als jemals zuvor und die reißenden Fluten jagen durch die Nacht.

 

In einer Höhle, nahe am Wald, findest Du Schutz und Ruhe, aber Dir wird kalt. Nur ein kleiner Vogel, der Dich begleitet, flüstert Dir Töne und sanft schläfst Du ein. Träume mein Kind und sehe und horche in Dich hinein.


Warum?

 

„Mama?“

„Ja, mein Kind.“

„Was ist das für ein Planet da unten und von wem wird er bewohnt?“

„Das ist die Erde. Da wohnen Menschen und Tiere.“

„Haben die auch eine so schöne Natur wie wir?“

„Ja, das haben sie, aber…“

„Was denn aber, Mama?“

„Die meisten wissen sie nicht zu schätzen. Die Wenigen, die mit der Natur

leben und sie ehren, werden als primitiv bezeichnet.“

„Warum machen die das?“

„Weil sie es nicht besser wissen!“

„Quälen die auch Tiere, Mama?“

„Ja, das machen sie!“

„Warum machen die das?“

„Weil sie es nicht besser wissen!“

„Die kämpfen aber nicht gegeneinander, oder?“

„Doch. Sie bekriegen sich!“

„Warum machen die das, Mama!“

„Weil sie es nicht besser wissen!“

„Werden die denn jemals wissen, wie gelebt wird?“

 „Das weiß ich nicht, mein Kind. Das weiß ich nicht…“


Liebespaar

 

Liebste, ich möchte Dich heut Nacht wieder sehen. Komm in unser Versteck, in unsere kleine Laube, flüstert er seiner Liebe zu. Die Nacht bricht an und sie macht sich auf den Weg, um ihren Liebsten zu treffen. Niemand darf sie entdecken.

 

Sie stehen sich gegenüber und schauen sich lange an. Ihnen wird klar, dass ihre Liebe nie das Tageslicht erreichen kann. Sie werden sich nicht beugen, auch wenn ihnen dies zum Verhängnis wird. Denn ihre Familien sind verfeindet und werden ihre Schicksale besiegeln.

 

Eines Nachts lauert der Schütze ihnen auf. Er beobachtet sie lange und es schmerzt ihn sehr, doch er nimmt sie in´s Visier, denn Befehl ist Befehl. Er spannt seine Armbrust und legt an. Ein dumpfes Zischen durchdringt das Dunkel. Der Pfeil verfehlt nicht sein Ziel und ein leiser Schrei ist zu hören.

 

 

Das Liebespaar, eng umschlungen, sie sehen sich tief in die Augen. Er hält sie ganz fest in seinen Armen und ihr Blut zwischen seinen Fingern rinnt. Sie legt ihre Finger auf seine Lippen, als letzten Gruß, und flüstert ihm zu: Ich weiß, Liebster, wir werden uns weiter hier treffen. Nacht für Nacht bis in alle Ewigkeit und keine Macht vermag dies zu verhindern.


Ein kleines Blümlein am Wegesrand steht,

ist gar glücklich, wenn der Wind um seine Nase weht.

Kommt ein Menschlein her gelaufen,

macht beim Blümlein halt und schaut.

Oh, wie hübsch du bist, dich nehm ich mit

und reißt das kleine Ding grob raus.

Nein, schreit die Blüte und der Stengel weint,

die kleinen Blätter heulen auch.

Die Wurzel kann das Blümlein nicht mehr halten

und bleibt jammernd allein zurück.

Doch das Menschlein hört nicht das Flehen,

das Weinen oder Schreien.

Und geht mit dem kleinen Ding in seiner Hand,

froh gelaunt weiter seines Weges.

Nach kurzer Zeit das Blümlein welk,

ganz traurig ist sein Blick.

Das Menschlein schaut sich´s an und meint,

du dummes Ding bist ja hässlich

und schmeißt es achtlos weg.

Das kleine Blümlein, was einst so hübsch, 

bleibt traurig und allein am Wegesrand zurück.


Wald 

Tief und dunkel liegt er da, verborgen unterm Blätterdach werden hier viele Märchen wahr, pass gut auf und bleibe wach. Bleibe auf dem richtigen Weg, weiche nicht von ihm ab, auch wenn ein verlockender Steg Dich einlädt ihm zu folgen. Doch solltest Du ihm folgen, in des Waldes Schlund, kann Dir niemand helfen, unter Dir öffnet sich der Grund. Verlierst Dich in den Märchen, die er Dir jede Nacht erzählt, bleibst für immer sein, er Dich aber niemals quält.

Bist in ihm verloren, keiner kann Dich hören, fühlst Dich doch geborgen, willst Dein eigenes Opfer betören.

Du brauchst einen Gefährten, der an Deiner Seite steht, für alle Zeit in Deiner Nähe, Nacht für Nacht mit Dir geht.