Eines Tages kam ein Wanderer in das Dorf, er betörte gar die Frauen, deren Männer waren fort. Die Frauen waren ihm erlegen, schenkten ihm ihre Liebe und er nahm sie dankend an. Neun Tage später, ward seine Zeit gekommen und er verschwand bei Nacht ohne ein Wort. Er ließ zurück ihre traurigen Herzen und wurde nie wieder gesehen.

Viele Monde später kamen die Männer der Frauen mit ihren Schiffen zurück, sie wurden Zeugen, der neun Söhne, geboren unter des Himmels Glück. Auch waren es neun Mädchen, die unter den Gestirnen und im Schutze der Nacht, das Licht der Welt erblickten. 

Sie werden wissen wer der Wanderer war, der einst verschwand in der Nacht ohne ein Wort.

 

 


 

 

 

Geschmiedet durch der Zwerge Hand,

trag ich dich mit stolz und mit Ehr.

Gehüllt in meinem edlen Gewand,

ich den dunklen Wald durchquer.

Um mich zu treffen mit meiner Sippe,

zu huldigen der alten Götter.


 

 

 

 

 

Vier schwarze Schwingen schlagen,

zwei Raben gleiten durch die Nacht.

Sie schauen nach dem Rechten

und werden Odin beichten.

Weit fliegen Sie über die Länder,

werden nicht auf der Erde stehen,

auf der geknechteten, verbrannten.


 

Der Druiden Schriften ich vernahm,

vernahm in jener dunklen Nacht.

Mit Bedacht ich dieses Wissen

niederschrieb mit Opferblut.

Werde es mit meinem Leben hüten,

allen Widrigkeiten zum Trotze,

auch wenn es mich meine Seele koste.

Mein Schwert geschärft am nächsten Tage,

der Pfeile Spitze in Gift getränkt,

sitze ich an der alten Eiche Wurzeln

und halte Ausschau nach der Niedertracht.


 

 

Das Feuer entfacht, um dem kalten Tod zu trotzen,

unsere Armeen standhaft bis zum Schluss.

Doch die ersten Krieger, die dem Feind entgegenrennen,

in die Knie gezwungen, Ihr Leben ausgehaucht und doch

stehen sie wieder auf, bleich und fahl ihre Gesichter.

Werden an des Todes Seite kämpfen, haben keine Wahl, 

in ihren Augen gepeinigte Seelenqual sich wiederspiegelt.


Finger tauchen in dunkle Farben,

sie streifen über die Stirn und Nase.

Dunkle Ränder zeichnen wir um

unsere Augen.

Unsere Waffen zieren unsere Körper.

Im Dickicht in der schwarzen Nacht,

harren wir aus, um dem Feind aufzulauern.

Stille, nichts als Stille…

Leise, ganz leise flüstern wir uns zu

und kommen nicht zur Ruh.

Angespannt und wach warten wir,

es gibt kein Zurück.

Odin begleite uns sowie deines Gleichen,

steh an unserer Seit und sollst nicht weichen.

 

 


Kennst du den Weg den du gehen musst

 in das verborgene Reich?

Kennst du die Tafel an der gefallene

stolze Krieger und Götter gleich?

Hörst du die Hufenschläge der Pferde,

spürst du die Walküren, wie sie nahen?

Hörst du ihre Rufe und angeführt

von der Schönen unnahbaren?

Sie begleiten dich zu dem Licht am Himmelszelt,

dort wirst du es sehn!

Hinter dem Licht am Himmelszelt

musst du mit ihnen des Weges ziehn!


Ein letztes Mal

 

Ein letztes Mal, ein letzter Blick,

wir sehen uns an und es gibt kein Zurück.

Fällst auf die Knie, Dein Leib getroffen,

getroffen von des Feindes Pfeil.

Durchbohrt Dein Herz für alle Zeit,

der letzte Herzschlag, er ist für mich,

bevor ein Speer Deinen Nacken trifft.

 

Ein letztes Mal, ein letzter Blick,

wir sehen uns an und es gibt kein Zurück.

Mein Herz gar schwer, schwer von Pein,

fühl mich getroffen wie von des Feindes Pfeil.

Gebrochen mein Herz für alle Zeit,

mein letzter Herzschlag, er ist für Dich,

bevor mein Kampf gegen den Feind weitergeht…


Die alten Hexen vom Brocken

 

Unter Schnee und Eis verharren wir,

bewahren dezent den Schein.

 

An sonnigen Tagen könnt ihr es wagen,

sicher vor unseren knochigen Fingern,

führt euer Weg dicht an uns vorbei.

 

Doch solltet ihr in tiefer, dunkler Nacht,

durch dichte Nebelschwaden gehen,

seid gewiss, werden wir nicht widerstehen.

 

Unsere Herrin ist der Brockengeist,

deren Name nur der Teufel weiß.


Die ersten Sonnenstrahlen fallen,

auf des Schlachtfeldes tiefen Morast,

der Morgen naht und er zeigt allen,

was in der Nacht wurde vollbracht.

Im Schutze des Mondes kamen sie an,

erbarmungslos ihren Feind überrannt.

Die kläglichen Schreie verstummt,

der Blutrausch nicht enden wollte.

Zwei Raben hoch oben kreisen,

sind im Geiste mit Odin vereint,

sie werden ihm davon berichten,

doch keine Träne wird je geweint.


 

In dieser Nacht wird es wahr,

dass Licht der Sonne wiederkehrt.

Die dunklen und langen Nächte

weichen nur zögerlich zurück,

doch werden sie nicht aufbegehren.

Naturgeister huschen umher,

im Unterholz noch verschreckt.

Wecken die Natur behutsam auf,

werden uns neues Leben schenken.


Schönes Samhain

 

Ein schmaler Spalt in dieser Nacht,

der Schleier kühl und zart,

berühren wir Eure Herzen sacht,

kaum sichtbar sind wir Euch ganz nah.

Kommen durch den schmalen Spalt,

spürt unseren zarten Hauch,

wollen Euch nur beschützen.

Blicken zurück was vergangen,

weisen Euch in Eure Schranken,

lasst uns in dieser einen Nacht,

für alles was war danken.

Still und dunkel ist jetzt die Zeit,

bis das Neue kann wieder beginnen. 


 

 

Sanft legst du dich hernieder,

bedenkst zart die weite Flur,

schmeichelst der Felder und Wiesen,

umgarnst des Baumes Stamm.

Doch ziehst du dich zurück

mit dem ersten Sonnenstrahl.

Nebel wirst du genannt und

Mythen ranken sich um dich.

 

 


So tief die Wolken, durchzogen

von der Sonne Rot.

Bin gar gern gefangen in der

Götter freien Geleit.

Still und stumm gleite ich dahin und ich

fühle mich so sorgenlos und frei.

Ach, könnt ich auf immer mit

Euch des Weges ziehn,

wär ich auf ewig glücklich und ungeziem…


Ich weine Tränen bitterlich,

ach, warum willigt er nicht ein,

wär ich befreit von meiner Pein.

So viel würde ich ihm schenken,

ihm so viel von mir geben.

Doch er verschmäht mich,

weil ich gar kein Christ,

bin ich eine Trollin des Berges,

mit Leib und Seel!

Ach, warum verschmäht er mich,

wär ich doch befreit von meiner Pein,

mit unsterblicher Seel obendrein.

Mein Herr, Herr Mannelig,

verschmäh mich doch nicht.


 

 

Tanze, tanze mit dem Wind,

fliege mit den Raben.

Du unglücklich Seel und Verdammte,

kalt ist´s in der rauen Nacht.

Lange bleibst du nicht allein,

all die andern auf dich warten,

um mit Odin eins zu werden,

die Wilde Jagd einzuläuten.


 

Freyja ich rufe Dich an,

bewahr uns die Liebe.

wache über die Berge,

über die die Krieger ziehn.

Wache über das Tal,

durch dass das Blut nach

der Schlacht fließt.

Mach Dich auf den Weg

mit den Wallküren,

die gefallenen Helden

nach Walhall zu geleiten.


Ostara die Morgenröte

 

Das warme Licht will ich euch senden,

auf das die Natur zum Leben erwacht.

Auch werd ich mein Schwert erheben

gegen des Winters kühle Macht.

Ich werde ihn solang bekämpfen,

bis das er sich von euch abwendet.

Und wenn er sich zurückgezogen

und schenkt mir seine ganze Kraft,

will ich an eurer Seite stehen,

das Land mit Fruchtbarkeit beschenken.

 

 


Unscheinbar steh ich im Schatten und warte auf Dich,

meine Arme oft warnend, aber auch einladend und

wenn Du unter meinen Zweigen verweilst, spürst Du mich.

Mein Duft wird Dich umarmen und ich werde Dich begleiten,

auf einer Reise in die Anderswelt, lass es geschehen.

Ich werde Dich befreien von aller schweren Last und

denke stets daran, Du bist bei mir nur Gast.

In mir schlummern tiefe Kräfte und mein Gift ist sehr begehrt,

halt ab so manch Zauberei, wenn Du mich am Körper trägst.

Mein Name ist Eibe und ich werde sehr alt, wenn mein Stamm

längst innen verfault, neue Triebe aus ihm entstehen.


‚Ich will mehr, ich will viel mehr.’

Seine Gedanken kreisen und stehen nicht still,

weil sein Wissensdurst nicht enden will!

‚Unheil wird kommen, lass es sein!’ Flüstern sie ihm zu.

Hugin und Munin, aufgewühlt, sie finden keine Ruh.

Aber er kann nicht hören und so steigt er hinab,

tief zu des alten Mimirs Brunnen.

In der Tiefe endlich angekommen,

kein Lüftchen regt sich und kein Wasserlauf,

er regungslos und beklommen,

als eine alte Stimme räuspert sich leise

durch des geteilten Spiegels Spalt.

„Odin, Du hast hier nichts verloren, dies ist

des Reiches mein, sollst verweilen in Deinem!“

Doch er verharrt ganz dreist und gibt vor ein

gar durstiger Wanderer zu sein.

Die alte Stimme schmunzelt und karg,

weist ihn zurecht und macht ihm klar.

„Das Wissen meiner Quell steht Dir nicht zu!“

Er gibt nicht auf und ist zu allem bereit

und opfert auf Verlangen ein Auge von zwein.

Sein Auge wird verschluckt vom dem Schlund,

der Schein des Lichts sich ausbreitet am Grund.

Er lauscht dem Raunen, das dem Brunnen entflieht.

Was er erfahren, hat ihn betäubt, es ist nicht nur

der Anfang, auch das Ende der Welt.

Völlig benommen geht er den Weg zurück,

das Gesprochene der Quell hat seinen Blick getrübt.

Die Raben schauen ihn in Stille an:

‚Ach Odin, hättest Du nur auf uns gehört!’ 


Voller Schönheit und Sinnlichkeit kam sie zur Welt,

anmutig, verführerisch, ob Götter oder Menschen,

sie ist nicht wählerisch.

Doch sieh dich vor, trittst du ihr zu nahe, faucht sie dich an,

wie die Katzen ihres gezogenen Gespanns.

Sie für immer zu besitzen wird keinem gelingen,

denn ihre Freiheit, seit der Wiege, wird keiner bezwingen.

Wie ein Falke erhebt sie sich und kann allem entfliehen,

sie wird fliegen wohin auch immer sie will.

Ihre Kunde über Zauber sie in Asgard weitergibt und

stets die Asen verwöhnt mit köstlichem Met.

Auch führt sie an des Odins Walküren Heer,

um vom Schlachtfeld zu holen die toten Helden.

 

Als Göttin der Liebe ist sie uns bekannt oder auch Freyja genannt.


Oh Vater, was ich habe ich mir dabei gedacht,

mein gar unstillbarer Rachedurst,

unsere Familie aufeinander gehetzt.

Die Äxte und Schwerter sind geschärft,

stehen sich gegenüber, sie weichen nicht zurück.

Ich steh im Hintergrund und doch lächelt mein Mund,

kann mich nicht dagegen wehren,

so lasse ich unsere Familie mit Gefolgschaft gewähren.

Führe sie zur erbarmungslosen Schlacht,

ohne Gnade, doch mit Liebe im Herzen.

Sie verlieren viel und ach ihre tiefen Wunden,

in der Seele tief, wie sie schmerzen…


Sie zog ins Land und ließ ihr Dorf zurück,

der Gefährte brachte sie um ihren Rang.

Als sie nach langer Zeit zurückgekehrt,

versprach sie ihm: „Du wirst dafür bezahlen!“

Sie begehrten sich und die Zeit verging,

eines Tages standen sie im Zelt,

in Gewändern zur Vermählung bereit.

Sie küssten sich und sie zog ihr Messer,

stach ihm tief in seinen Leib und

ihre Blicke voll Liebe zugewandt.

Ihr helles Kleid von Blut durchtränkt,

mit Stolz sie aus dem Zelte kommt und

ihr Gefolge die Treue zu ihr hält.

 


Einst standen sie im Banne der tiefsten Bruderschaft,

die Liebe zwischen den Brüdern kannte keine Schmach.

Sie waren so verschieden und doch vom gleichen Blut,

brannten Dörfer nieder in ihrer blinden Wut.

Der Neid des einen Bruders immer stetig wuchs,

so drehte er den Rücken und ging sein eigen Weg.

Beim Feinde fand er die Liebe zu einer schönen Frau

und kämpfte fortan für sie gegen sein eigen Volk.

Der verlassene Bruder hat es ihm nie verziehen,

auch nicht, als des Verräters reumütig Wiederkehr.