Die alten Hexen vom Brocken

 

Unter Schnee und Eis verharren wir,

bewahren dezent den Schein.

 

An sonnigen Tagen könnt ihr es wagen,

sicher vor unseren knochigen Fingern,

führt euer Weg dicht an uns vorbei.

 

Doch solltet ihr in tiefer, dunkler Nacht,

durch dichte Nebelschwaden gehen,

seid gewiss, werden wir nicht widerstehen.

 

Unsere Herrin ist der Brockengeist,

deren Name nur der Teufel weiß.


Die ersten Sonnenstrahlen fallen,

auf des Schlachtfeldes tiefen Morast,

der Morgen naht und er zeigt allen,

was in der Nacht wurde vollbracht.

Im Schutze des Mondes kamen sie an,

erbarmungslos ihren Feind überrannt.

Die kläglichen Schreie verstummt,

der Blutrausch nicht enden wollte.

Zwei Raben hoch oben kreisen,

sind im Geiste mit Odin vereint,

sie werden ihm davon berichten,

doch keine Träne wird je geweint.


 

In dieser Nacht wird es wahr,

dass Licht der Sonne wiederkehrt.

Die dunklen und langen Nächte

weichen nur zögerlich zurück,

doch werden sie nicht aufbegehren.

Naturgeister huschen umher,

im Unterholz noch verschreckt.

Wecken die Natur behutsam auf,

werden uns neues Leben schenken.


Schönes Samhain

 

Ein schmaler Spalt in dieser Nacht,

der Schleier kühl und zart,

berühren wir Eure Herzen sacht,

kaum sichtbar sind wir Euch ganz nah.

Kommen durch den schmalen Spalt,

spürt unseren zarten Hauch,

wollen Euch nur beschützen.

Blicken zurück was vergangen,

weisen Euch in Eure Schranken,

lasst uns in dieser einen Nacht,

für alles was war danken.

Still und dunkel ist jetzt die Zeit,

bis das Neue kann wieder beginnen. 


 

 

Sanft legst du dich hernieder,

bedenkst zart die weite Flur,

schmeichelst der Felder und Wiesen,

umgarnst des Baumes Stamm.

Doch ziehst du dich zurück

mit dem ersten Sonnenstrahl.

Nebel wirst du genannt und

Mythen ranken sich um dich.

 

 


So tief die Wolken, durchzogen

von der Sonne Rot.

Bin gar gern gefangen in der

Götter freien Geleit.

Still und stumm gleite ich dahin und ich

fühle mich so sorgenlos und frei.

Ach, könnt ich auf immer mit

Euch des Weges ziehn,

wär ich auf ewig glücklich und ungeziem…


Ich weine Tränen bitterlich,

ach, warum willigt er nicht ein,

wär ich befreit von meiner Pein.

So viel würde ich ihm schenken,

ihm so viel von mir geben.

Doch er verschmäht mich,

weil ich gar kein Christ,

bin ich eine Trollin des Berges,

mit Leib und Seel!

Ach, warum verschmäht er mich,

wär ich doch befreit von meiner Pein,

mit unsterblicher Seel obendrein.

Mein Herr, Herr Mannelig,

verschmäh mich doch nicht.


 

 

Tanze, tanze mit dem Wind,

fliege mit den Raben.

Du unglücklich Seel und Verdammte,

kalt ist´s in der rauen Nacht.

Lange bleibst du nicht allein,

all die andern auf dich warten,

um mit Odin eins zu werden,

die Wilde Jagd einzuläuten.


 

Freyja ich rufe Dich an,

bewahr uns die Liebe.

wache über die Berge,

über die die Krieger ziehn.

Wache über das Tal,

durch dass das Blut nach

der Schlacht fließt.

Mach Dich auf den Weg

mit den Wallküren,

die gefallenen Helden

nach Walhall zu geleiten.


Ostara die Morgenröte

 

Das warme Licht will ich euch senden,

auf das die Natur zum Leben erwacht.

Auch werd ich mein Schwert erheben

gegen des Winters kühle Macht.

Ich werde ihn solang bekämpfen,

bis das er sich von euch abwendet.

Und wenn er sich zurückgezogen

und schenkt mir seine ganze Kraft,

will ich an eurer Seite stehen,

das Land mit Fruchtbarkeit beschenken.

 

 


Unscheinbar steh ich im Schatten und warte auf Dich,

meine Arme oft warnend, aber auch einladend und

wenn Du unter meinen Zweigen verweilst, spürst Du mich.

Mein Duft wird Dich umarmen und ich werde Dich begleiten,

auf einer Reise in die Anderswelt, lass es geschehen.

Ich werde Dich befreien von aller schweren Last und

denke stets daran, Du bist bei mir nur Gast.

In mir schlummern tiefe Kräfte und mein Gift ist sehr begehrt,

halt ab so manch Zauberei, wenn Du mich am Körper trägst.

Mein Name ist Eibe und ich werde sehr alt, wenn mein Stamm

längst innen verfault, neue Triebe aus ihm entstehen.


‚Ich will mehr, ich will viel mehr.’

Seine Gedanken kreisen und stehen nicht still,

weil sein Wissensdurst nicht enden will!

‚Unheil wird kommen, lass es sein!’ Flüstern sie ihm zu.

Hugin und Munin, aufgewühlt, sie finden keine Ruh.

Aber er kann nicht hören und so steigt er hinab,

tief zu des alten Mimirs Brunnen.

In der Tiefe endlich angekommen,

kein Lüftchen regt sich und kein Wasserlauf,

er regungslos und beklommen,

als eine alte Stimme räuspert sich leise

durch des geteilten Spiegels Spalt.

„Odin, Du hast hier nichts verloren, dies ist

des Reiches mein, sollst verweilen in Deinem!“

Doch er verharrt ganz dreist und gibt vor ein

gar durstiger Wanderer zu sein.

Die alte Stimme schmunzelt und karg,

weist ihn zurecht und macht ihm klar.

„Das Wissen meiner Quell steht Dir nicht zu!“

Er gibt nicht auf und ist zu allem bereit

und opfert auf Verlangen ein Auge von zwein.

Sein Auge wird verschluckt vom dem Schlund,

der Schein des Lichts sich ausbreitet am Grund.

Er lauscht dem Raunen, das dem Brunnen entflieht.

Was er erfahren, hat ihn betäubt, es ist nicht nur

der Anfang, auch das Ende der Welt.

Völlig benommen geht er den Weg zurück,

das Gesprochene der Quell hat seinen Blick getrübt.

Die Raben schauen ihn in Stille an:

‚Ach Odin, hättest Du nur auf uns gehört!’ 


Voller Schönheit und Sinnlichkeit kam sie zur Welt,

anmutig, verführerisch, ob Götter oder Menschen,

sie ist nicht wählerisch.

Doch sieh dich vor, trittst du ihr zu nahe, faucht sie dich an,

wie die Katzen ihres gezogenen Gespanns.

Sie für immer zu besitzen wird keinem gelingen,

denn ihre Freiheit, seit der Wiege, wird keiner bezwingen.

Wie ein Falke erhebt sie sich und kann allem entfliehen,

sie wird fliegen wohin auch immer sie will.

Ihre Kunde über Zauber sie in Asgard weitergibt und

stets die Asen verwöhnt mit köstlichem Met.

Auch führt sie an des Odins Walküren Heer,

um vom Schlachtfeld zu holen die toten Helden.

 

Als Göttin der Liebe ist sie uns bekannt oder auch Freyja genannt.


Oh Vater, was ich habe ich mir dabei gedacht,

mein gar unstillbarer Rachedurst,

unsere Familie aufeinander gehetzt.

Die Äxte und Schwerter sind geschärft,

stehen sich gegenüber, sie weichen nicht zurück.

Ich steh im Hintergrund und doch lächelt mein Mund,

kann mich nicht dagegen wehren,

so lasse ich unsere Familie mit Gefolgschaft gewähren.

Führe sie zur erbarmungslosen Schlacht,

ohne Gnade, doch mit Liebe im Herzen.

Sie verlieren viel und ach ihre tiefen Wunden,

in der Seele tief, wie sie schmerzen…


Sie zog ins Land und ließ ihr Dorf zurück,

der Gefährte brachte sie um ihren Rang.

Als sie nach langer Zeit zurückgekehrt,

versprach sie ihm: „Du wirst dafür bezahlen!“

Sie begehrten sich und die Zeit verging,

eines Tages standen sie im Zelt,

in Gewändern zur Vermählung bereit.

Sie küssten sich und sie zog ihr Messer,

stach ihm tief in seinen Leib und

ihre Blicke voll Liebe zugewandt.

Ihr helles Kleid von Blut durchtränkt,

mit Stolz sie aus dem Zelte kommt und

ihr Gefolge die Treue zu ihr hält.

 


Einst standen sie im Banne der tiefsten Bruderschaft,

die Liebe zwischen den Brüdern kannte keine Schmach.

Sie waren so verschieden und doch vom gleichen Blut,

brannten Dörfer nieder in ihrer blinden Wut.

Der Neid des einen Bruders immer stetig wuchs,

so drehte er den Rücken und ging sein eigen Weg.

Beim Feinde fand er die Liebe zu einer schönen Frau

und kämpfte fortan für sie gegen sein eigen Volk.

Der verlassene Bruder hat es ihm nie verziehen,

auch nicht, als des Verräters reumütig Wiederkehr.